Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Es ist mir eine besondere Freude, heute Abend zwei Leute ehren zu dürfen, die dem Feuerstein in besonderer Weise verbunden sind, also ihm sozusagen jahrelang "jedient" haben. Nun wissen wir aber, aus leidvoller Erfahrung, dass man sich mit solchen Ehrungen nicht nur Freunde machen kann. Es gibt immer einen oder mehrere, die ebenfalls ein rundes Jubiläum feiern könnten usw., heute Abend aber nicht erwähnt werden und deshalb sauer sind. Was machen? Ganz einfach: Wir lassen gleich im Anschluss an diese Rede eine Liste rumgehen, wo sich jeder eintragen kann, der glaubt, dass auch er demnächst mal geehrt werden müsse. Ich bitte aber ausdrücklich um Verständnis, dass wir nur die runden Jahreszahlen von denjenigen würdigen können, von denen uns diese Missetaten auch bekannt geworden sind. Wer also demnächst dabei sein möchte, bitte eintragen! Es gibt mehrere Spalten: Unter anderem "Am Feuerstein seit?", "Wann ehren?" und "Warum ehren?"
Wir ehren zunächst unseren langjährigen, beinahe hätte ich "alten" gesagt, Freund des Feuersteins Walter Schmidt.
Walter hat seine Karriere am Feuerstein am 21.07.1976 mit einem ersten Rundflug begonnen und seitdem 30 Jahre lang ehrenamtlich, tatkräftig, zuverlässig und humorvoll der Flugschule als Rundflug- und Schlepppilot geholfen. Außerdem ist Walter unersetzlich, wenn es darum geht, kleine und große Gruppen von Kindern und älteren Herrschaften auf dem Platz rumzuführen und sie mit den Geheimnissen der Fliegerei vertraut zu machen. Es vergeht kaum ein Tag, den er nicht gerne am Feuerstein verbringt.
Eine Urkunde zum 25-jährigen hat er schon bekommen, so ähnlich sieht es jetzt mit 30 Jahren aus.
Schwieriger war es mit einem kleinen Geschenk. Da war vom letzten Mal nichts mehr zu verwenden, da Walter dazu neigt, seine Geschenke auch zu benutzen, d. h. sie leer zu trinken. Eigentlich wäre ja wieder "Domina" drangewesen. Aber in dem Alter heute schon wieder, ich weiß nicht. Deshalb also mal heute eine andere Marke. Für jedes Jahr eine Flasche hab ich beim Schatzmeister nicht durchgekriegt, aber zumindest eine pro Jahrzehnt. Also dreißig Jahre, drei Flaschen.
Vielen, vielen herzlichen Dank lieber Walter für Deine langjährige Treue und beim 40-jährigen gibt es dann vier Flaschen - und so weiter...
Kommen wir nun zum zweiten Jubilar des Abends. "Fliegen und fliegen lassen" könnte das Motto für ihn lauten. Denn er hat selber sehr viel geflogen und viele fliegen lassen, Flugschüler natürlich, denen er als Lehrer das Fliegen beigebracht hatte. Deshalb "Fliegen und Fliegen lassen".
Wie uns aus gut unterrichteter Quelle zugetragen wurde, erblickte er am 01.03.1925 in Cottbus das Licht der Welt, im letzten Jahrhundert oder Jahrtausend sozusagen, was man ihm aber fast nicht ansieht. Bis zum 14. Lebensjahr verlief seine Entwicklung halbwegs normal, es gab auch schon erste Auftritte, aber mit 14 geriet er ernsthaft auf die schiefe Bahn: Lothar wurde Segelflieger und zwar am 22. September 1939 in Müllrose, in der Nähe von Frankfurt an der Oder in der neuen DDR.
Nachdem Lothar Matte, um den geht es hier, das Segelfliegen gelernt hatte, wurde er gleich 1943 Sieger im Gebietswettkampf der Flieger-HJ. Klar, dass es dann auch mit Motorflug weiterging, nämlich von Mai 44 bis April 45. Zum fliegerischen Einsatz kam Lothar, man muss wohl sagen, zum Glück, nicht mehr.
Bekanntlich war der Krieg kurz danach ohnehin verloren und Lothar kam für einige Monate in amerikanische und dann in englische Gefangenschaft.
Irgendwann davor oder danach hat Lothar auch Abitur gemacht und, man höre und staune, er hat ab 1947 in Göttingen einige Semester studiert und zwar, wer käme darauf, Psychologie. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum er Dummbacken schon aus größerer Entfernung als solche sicher und leicht erkennt.
Nach dem Krieg war natürlich erstmal Schluss mit der Fliegerei, aber am 19. März 1950 lud ihn ein Mitglied des Royal Airforce Gliding Club in Fassberg zu seinem ersten Flug in einem Kranich ein. Gut dass der Mann Englisch beherrschte, denn so konnte er sich mit Lothar unterhalten.
Immer wieder trat Lothar, vor, während und nach dem Krieg, in einer Band als -Schlagzeuger und Conferencier auf, wovon wir uns ja in den letzten Jahren immer wieder überzeugen konnten, wenn Lothar gekonnt den militärischen Kirchgang, den Flugtag vor 60 Jahren oder seine Zitzewitz-Witze, um nur einige Beispiele zu nennen, abends im Kreis der Fliegerkameraden vorführte.
Nachdem Lothar den Segelflugverein in Fassberg maßgeblich mit aufgebaut hatte, war er 1954-55 Fluglehrer in Leverkusen, danach zwei Jahre auf der Insel Juist, wo er auch seinen Motorflugschein machte und zwar auf einer Tiger Moth. Deshalb wohl auch der verklärte Blick, als wir vor ein paar Jahren einen UL-Doppeldecker angeschafft hatten, wo Lothar auch einige Runden mit gedreht hat. Beide haben's überlebt!
Ab Januar 1959 war Lothar auf der Lufthansaschule, um CPL und IFR zu machen und flog anschließend in Herzogenaurach bei der Firma Scheffler. Danach ging es immer weiter: In Hamm auf Queen-Air, dann in Nürnberg bei Photo Porst von 62 bis 69, dann für ein Jahr King-Air bei Mercedes und schließlich von 1970 bis 1988 als Flugkapitän auf dem Jet HS 125 für Otto Wolff von Amerongen.
Diese Tätigkeit führte ihn natürlich zu einer sehr hohen Anzahl von interessanten Zielen im In- und Ausland. Herausragend war sicherlich eine Expedition im Auftrag des Max-Planck-Instituts 1974. Diese Reise, ebenfalls auf HS125, führte ihn als Flugkapitän zu einer von der Presse als "Luftschnüffeltour" bezeichneten Reise von Deutschland aus über Nordamerika bis in den südlichsten Zipfel von Chile. Allein über diese und ähnliche Reisen könnte Lothar stundenlang spannende Geschichten erzählen.
Auch nach der Pensionierung 1988 arbeitete er als Free Lancer, Checker und IFR-Lehrer weiter. Und natürlich, noch lange vor der Rente, ab 1976, als Gastfluglehrer am Feuerstein. Hier ging es quasi gleich im ersten Jahr los mit seiner Fangemeinschaft, die als "Pfingstmafia" bezeichnet wird.
Seit einigen Jahren möchten einige Mitglieder dieser organisierten Vereinigung zwar lieber als Pfingst"flieger" betitelt werden, aber warum, wo man sich an "Pfingstmafia" doch so gut gewöhnt hat?
Zu seiner Zeit am Feuerstein kann folgendes, natürlich Positives, berichtet werden:
Lothar war insgesamt 1 Jahr, 2 Monate, 3 Wochen und einen Tag am Feuerstein. Das hat man davon, wenn man dreißig Jahre lang jedes Jahr für 2 Wochen und zweimal noch zusätzlich für 2 Wochen zum Feuerstein kommt. So kommen natürlich auch einige Flugstunden zusammen: Insgesamt hat Lothar 14.200 Stunden, davon Segelflug 2.110 Stunden mit über 10.000 Starts, wahrscheinlich die meisten davon am Feuerstein.
Wir haben zwar eine große Zahl von ausgezeichneten Fluglehrern und Gastfluglehrern, aber man muss einfach anerkennen, dass es bisher keiner so vermocht hat, eine derart große Zahl von Segelflugschülern an sich zu binden, wie es bei Lothar der Fall war, und immer noch ist. Das liegt sicherlich an seinen Fähigkeiten als Fluglehrer, an seinem unverwechselbaren Humor und seiner Zuverlässigkeit, die seit kurzem auch amtlich festgestellt wurde.
Die größte Zahl an Lehrgangsteilnehmern im Segelflug hat die FFF immer dann, wenn Lothar auf dem Dienstplan steht. Da wo beim Segelflug das jährliche Maximum ist, war die Pfingstmafia da. Schon dafür ist die Fränkische Fliegerschule ihm zu großem Dank verpflichtet.
Wenn einem und mit "einem" ist die FFF gemeint, "wenn einem also so viel Gutes widerfährt, dann ist es Zeit, dass man ihn ehrt", den Lothar Matte nämlich.
Aber wie? Was kann man also tun, um einen so netten Menschen und Gastfluglehrer, man sieht, das schließt sich gegenseitig nicht aus, zu ehren? Es sollte ein seltenes Geschenk sein, welches man sich selber nicht machen kann, andere Piloten sollten auch etwas davon haben und es sollte möglichst lange halten. Schade, damit fällt die übliche Flasche Hochprozentiges schon mal weg.
Kurz gesagt: Wir werden morgen, im Kreise seiner Pfingstmafia, die ASK 21, D-6136 auf den Namen "Lothar Matte" taufen und zwar mit einer etwas größeren Flasche "Ebermannstädter Spezial Cuvee". Damit auch Ihr schon einmal sehen könnt, wie sich der Lothar auf der 6136 macht, gibt es hier ein Foto vorab. Morgen werden wir dann ein Bild mit Lothar im Cockpit machen, welches Dir, lieber Lothar, dann als Erinnerung in diesem Rahmen mit gegeben werden wird.
Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis, sozusagen als Ansporn für die anderen Lehrer und Schlepper: Es sind derzeit noch weitere 17 Flugzeugnasen frei.
So genug gesabbelt oder wie Lothar sagte "ich soll nicht soviel Jedöns machen". Wir wollen nun gemeinsam auf das Wohl von Walter Schmidt und Lothar Matte anstoßen. Vielen Dank!
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